vorweg: dies hier ist nur ne sicherung von http://mitglied.lycos.de/Palinurus/skkk.html - die aber leider verschwunden ist...


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PALINURUS'
PILZSAMMELGUIDE
Worum es hier geht:
Um das Suchen, Finden und Sammeln von Spitzkegeligen Kahlköpfen (Psilocybe semilanceata).
Begriffserklärung vorneweg: Im Text ist bisweilen von 'kleinen braunen Pilzen' die Rede. Dies sollte nicht verwirren, denn natürlich ist nicht jeder der angesprochenen Pilze tatsächlich braun, vielmehr sind damit kleine Pilze gemeint, die man zu dieser Gruppe zählt, da sie als Speisepilze völlig ungeeignet und für einen 'echten' Pilzsammler somit wertlos sind. Desweiteren benutze ich manchmal den deutschen oder den lateinischen Namen der Pilze, was keine Bedeutung hat; ich finde es lediglich gut, wenn der künftige Sammler zumindest weiß, wie das Objekt der Begierde nun eigentlich heißt. Die kleinen Bilder im Text können angeklickt werden, um sie in groß zu sehen. Und nicht zuletzt: Diese Seite wurde nur erstellt, um einigen Leuten den Einstieg zu erleichtern, sie erhebt keinen Anspruch auf Webdesign-Preise; wer nun meint, er müsse mir mitteilen, wie scheiße sie aussieht, kann sich seine Beschwerde gerne sparen - hier gilt nur der Zweck, und der ist, bestimmte Informationen mit einfachen Worten zu übermitteln.
Die auf dieser Seite verwendeten Bilder wurden zum größten Teil von Georg Müller geschossen (erkennbar am Kürzel 'gm' im Dateinamen) und stammen von seiner vorzüglichen Homepage PilzePilze.
Warum?
Vor allem geht es mir um Sicherheit - ich kann schon nicht mehr zählen, wieviele junge Leute mir auf diversen Weiden begegnet sind, die die Hände voller kleiner brauner Pilze hatten und mich fragten, ob das 'Psyllos' sind - in der Regel waren es keine. Diese Seite soll informieren, nicht verführen. Wenn Menschen, die sich auch durch mangelndes Fachwissen nicht am Pilzsammeln hindern lassen, aufgrund meines Textes davor bewahrt werden, irgendwelche Giftpilze zu erwischen und diese auf gut Glück zu konsumieren, wäre das wohl nicht nur in meinem Interesse!
Das Interesse an halluzinogenen Pilzen hält an, seit erste Berichte über deren Existenz erschienen und wird sicher auch weiter anhalten. Die einzigen Möglichkeiten für deutsche Reiselustige, an diese Pilze zu kommen, bestehen darin, sie in Form von überteuerten 'Duftkissen' (in Deutschland inzwischen gänzlich illegal) zu kaufen, selber zu züchten (was sicher nicht jedem liegt, da steriles Arbeiten Pflicht ist) oder eben, sie kostenlos und mit etwas Erfahrung ohne größere Probleme zu sammeln.
Ich möchte ausdrücklich niemanden auffordern, verbotene Substanzen zu konsumieren! Psilocybin und Psilocin fallen als Reinsubstanz ebenso unter das Betäubungsmittelgesetz wie frische oder getrocknete Pilze, die diese Stoffe enthalten! Der Besitz dieser Pilze ist in Deutschland gleichbedeutend mit dem Besitz von Heroin. Wer es aber trotzdem aus freien Stücken und nach reiflicher Überlegung tun möchte, soll sich zumindest nicht unnötig in Gefahr begeben müssen!
Psilocybe semilanceata:
Hut 1-2cm hoch, 0,5-1,5cm breit, zugespitzt kegelförmig, lanzettartig zugespitzt, braungelb, olivgelblich, bei Trockenheit lederfarben-gelblich, glatt. Lamellen ausgebuchtet, oben breit angewachsen, olivgrau, später schwärzlichbraun, mit weißer Schneide. Stil sehr lang und dünn (1-2mm), zäh, gebogen, hellbräunlich, glänzend, an der Basis teilweise blaugrünlich oder bläulich verfärbend. Wächst im Gras auf Weiden und Waldwiesen. Ungenießbar (enthält sog. halluzinogene Stoffe). Quelle: Mirko Svrcek, 'Der große Pilzführer')
So sehen sie aus, unsere kleinen Lieblinge...
Wann?
Von August bis Dezember, je nach Witterung. Manchmal kann man im August schon viele Pilze finden, wenn nämlich die Umweltbedingungen für ihr Wachstum stimmen, also nicht deutlich über 20 Grad und häufiger Niederschlag. Im Dezember kann man welche finden, wenn noch keine längere Frostperiode stattgefunden hat, d.h. wenn durchgehen zwei Wochen lang Frost herrscht, ist es in der Regel vorbei mit Pilzen. Unter Umständen findet man sogar im Januar noch welche, wenn der Winter sehr mild ist. In der Regel wird die Population der Pilze von November an aber deutlich geringer. Als ideal hat sich die Zeit von etwa Mitte September bis Ende Oktober erwiesen. Die Tageszeit ist weniger wichtig, ob nun früher Morgen oder später Nachmittag bleibt sich fast gleich, jedoch habe ich die Erfahrung gemacht, daß ab Mittag mehr abgetrockente Pilze zu sehen sind, was der Farbe wegen das Finden erleichtert. Ganz schlecht ist die Zeit zwischen Sonnenuntergang und Morgendämmerung, da selbst der hellste Vollmond nicht genug Licht spendet, um diese kleinen Dinger zu finden...
Wo?
Geeignet sind 'natürlich bewirtschaftete Weiden' (vorzugsweise im oder am Wald, weil die Pilze sauren Boden mögen), also solche, die auf natürliche Art und Weise gedüngt werden, nämlich durch Pferde- oder Kuhdung. Um es kurz zu sagen: wenn auf dem Gelände Kühe oder Pferde rumstehen, besteht die gute Möglichkeit, daß man richtig ist... Man kann es auch auf Wiesen oder Weiden versuchen, auf denen Schafe gegrast haben, jedoch ist die Wahrscheinlichkeit geringer als auf reinen Pferde- oder Kuhweiden.
Was man braucht:
- Wetterfeste Kleidung, am besten mit Kapuze, falls plötzlich Regen einsetzt (soll im Herbst ja schon mal vorkommen...).
- Gute Schuhe, d.h. sie sollten möglichst wasserdicht und rutschfest sein und gut passen, also den Fuß nicht belasten.
- Falls man sich noch nicht sicher ist: Bestimmungsbuch oder Ausdrucke von entsprechenden Bildern, möglichst mit einer genauen morphologischen Beschreibung.
- Eine Pappschachtel transportabler Größe, alternativ geht auch eine Papiertüte. Pilze bestehen zu ca. 90% aus Wasser und sollten nicht über mehrere Stunden in einer Plastiktüte herumgetragen werden, weil sie dann schnell faulen können. Ein klassischer Sammelkorb ist natürlich auch nicht zu verachten, aber wer will sowas schon ständig mit sich herumschleppen?
- Nicht zu verachten wäre auch etwas Verpflegung, und wenn es nur irgendwelche Knabbertüten in den Taschen sind.
- Ein Feuerzeug oder Streichhölzer, falls man Raucher ist, am besten beides. Und die Zigaretten sollte man in diesem Fall auch nicht vergessen.
- Und nicht zuletzt: Zeit!
Einige goldene Regeln, um nicht nur zu suchen sondern auch zu finden:
Wichtig beim Pilzesammeln ist, daß man nicht wie ein Blöder über die Weide joggt, um sie nach 10 Minuten mit der Feststellung 'Hier gibt es keine Psilos' resigniert wieder zu verlassen. Man muß LANGSAM sein können. Geht immer nur einen oder zwei Meter langsam in eine Richtung und schaut euch den Boden genau an, vor allem Grasbüschel. Bleibt dann stehen und schaut euch das Gebiet um euch herum an. Wenn sich nichts finden läßt, ein Stück weitergehen und wieder stehenbleiben. Wenn man sich noch sehr unsicher ist, kann man auch eine gebückte Haltung annehmen, aber das geht mit der Zeit auf den Rücken. Wenn ihr Pilze entdeckt, untersucht sie anhand der Bilder und Beschreibungen, die ihr dabeihabt: Stimmt die Größe? Die Farbe? Wie ist der Stil beschaffen? Wie die Lamellen? Laßt euch nicht entmutigen, wenn es erst einmal die Falschen sind. Die Devise heißt: Weitersuchen. Pilze, die den Kriterien nicht entsprechen, läßt man grundsätzlich stehen. Ist man fündig geworden, sollte man sich die ungefähre Stelle seines Fundes einprägen, da Pilze während einer Saison meist standorttreu sind, sofern man sie den Regeln entsprechend pflückt (dazu später mehr). Man sollte sich nicht vornehmen, an nur einem Tag die gesamte Weide abzugrasen. Schaut euch lieber um und nehmt euch ein Gelände von etwa 100qm vor, welches ihr dann wirklich gründlich absucht. Findet ihr dort nichts, nehmt ein angrenzendes Gebiet in Angriff. Beim nächsten Besuch wißt ihr so schon, wo etwas zu finden ist oder wo nicht. Pilze wachsen nicht gleichmäßig über die Weide verteilt, es gibt Stellen mit ausgesprochen starker Population sowie welche, wo nur sehr wenige oder gar keine stehen. Diese Stellen wollen in jeder Saison erst einmal gefunden werden, da sie meist nicht an den Stellen liegen, wo man im Vorjahr gut gesammelt hat (warum das so ist, kann ich mir auch nicht so recht erklären, aber es ist tatsächlich - die besten Stellen sind nie da, wo man im Vorjahr gut gefunden hat). Hat man ein gutes Gebiet entdeckt, prägt man es sich anhand der Umgebung oder einiger markanter Punkte (Bäume, Senken oder ähnliches) ein. Um möglichst viele gute Gebiete zu finden, empfielt es sich, zu Beginn der Sammelaktion erst einmal ein Gebiet abzusuchen, an dem man noch nicht war und erst später dort zu sammeln, wo man letztens fündig wurde.
Und außerdem, aber das sollte eigentlich logisch sein: In den meisten Fällen befindet ihr euch auf fremden Land; mindestens sind die Rechte der Tiere zu wahren, laßt also Kühe und Pferde in Ruhe, auch wenn sie noch so niedlich sind. Desweiteren sollte man sich zu jedem, der einem beim Sammeln begegnet, freundlich verhalten, denn es könnte auch der Besitzer der Weide sein, und ihr wollt ja nicht, daß der gleich die Polizei holt, oder? Fragt er euch, was ihr hier verloren habt, sagt einfach, ihr würdet Pilze sammeln und hättet von draußen welche gesehen. Sofern Eingänge zu einer Weide vorhanden sind, sollten diese auch benutzt werden. Ist es unumgänglich, über den Zaun zu steigen, beschädigt diesen bitte nicht! Es soll Landwirte geben, die es gar nicht mögen, wenn ihr Vieh über einen runtergetrampelten Zaun in die Freiheit entfleucht...
Wo verstecken sich die kleinen Lümmel denn am häufigsten?
Das ist eine Frage, auf die gerade der Anfänger eine Antwort haben sollte, um Frust zu vermeiden. Ganz falsch ist, daß die Pilze direkt auf Dung wachsen, das tun sie nämlich niemals, da sie nicht zu der Gruppe der Düngerlinge gehören. Ebenfalls wachsen sie niemals auf Holz. Am häufigsten findet man sie in der Mitte mehr oder weniger hoher Grasbüschel, und das hat auch einen guten Grund: Psilocybe semilanceata bevorzugen gut gedüngtes Grasland, ohne selbst auf Dung zu wachsen. Aber: am besten gedüngt ist der Boden dort, wo im Vorjahr ein Kuhfladen oder Pferdeäpfel gelegen haben - an solchen Stellen wächst das Gras besonders stark, es bildet sich ein deutlicher Buckel auf dem Boden. Das ist auch der Grund, warum auf Pferderennbahnen die Hinterlassenschaften der edlen Rösser sofort entfernt werden, da sonst der publikumswirksam ebene Boden schnell futsch wäre. In der Mitte dieser Buckel sollte man genau nachschauen. In ungefähr 95% aller Fälle wird man nämlich genau dort fündig. Da die Pilze sehr klein sind, stehen sie meist vom Gras verdeckt, was die oben erwähnte Langsamkeit wieder wichtig werden läßt - läuft man in normaler Geschwindigkeit über die Weide, wird man die meisten Standorte übersehen. Das ist mir in meiner Jugend (hoho, der alte Sack hier!) in einem denkwürdigen Fall selber mal passiert, ich war auf einer neuen, sehr langen Weide und lief sie bis zum Ende ab, ohne viel zu finden. Eine Stelle blieb mir im Gedächtnis, weil sie breiter war als der Rest der Weide und ich dort jemanden sah, der aber scheinbar nicht sammelte. Als ich später wieder an diese Stelle kam, entdeckte ich plötzlich ein Grüppchen Spitzkegeliger Kahlköpfe, ich sammelte sie voller Freude ein, und als ich wieder aufstehen wollte, sah ich das nächste Grüppchen. So ging das in einer Tour weiter, ich kam gar nicht mehr von der Stelle, auf einem Gebiet von vielleicht 100qm fand ich über 600 Pilze innerhalb kürzester Zeit!
Und noch was: Wenn man einen Pilz entdeckt hat, sollte man zunächst einmal den Grasbüschel, in dem er steht, genauer untersuchen; häufig finden sich diese Pilze nämlich in Gruppen, und wenn man mal etwas im Gras wühlt, entdeckt man oft noch weitere. Außerdem sollte man bedenken, daß Pilze nur die Fruchtkörper einer unterirdischen Mycelmasse sind, die sich meterweit erstrecken kann - aus diesem Grund sollte man auch die nähere Umgebung seines Fundes genau unter die Lupe nehmen.
An diesem Bild gut zu sehen: Das Gras ist höher als die Pilze, daher ist langsames und aufmerksamen Suchen Pflicht, wenn man nicht nur suchen sondern auch was finden möchte...
Welche Umweltbedingungen sind optimal zum Sammeln?
Klar, bei schönstem Sonnenschein und angenehmen Außentemperaturen ist Sammeln schon recht angenehm, aber es gibt auch Gründe, die das Finden an solchen Tagen recht schwierig machen: Scheint die Sonne auf das Gras, entstehen zwischen den Halmen und vor allem am Boden dunkle Schatten, die unsere kleinen Lieblinge verstecken werden. Außerdem reflektieren trockene, meist goldgelbe Halme das Sonnenlicht stärker, was eine gewisse Blendung zur Folge hat, die das Suchen noch mehr erschwert. Generell ist eine leicht getönte Sonnenbrille nicht zu verachten.
Fein, denkt sich da der eine oder andere, gehen wir doch bei Regen sammeln! Falsch, denn einmal abgesehen davon, daß bei Regen Aktivitäten in der freien Natur meist eher unangenehm und häufig auch schlecht für die Gesundheit sind, wachsen unsere Pilze bei ausgesprochen starkem Niederschlag nicht so besonders. Am liebsten haben sie es, wenn der Boden zwar feucht ist, aber ab und zu auch mal die Sonne scheint, denn im Gegensatz zu anderen Pilzsorten brauchen Spitzkegelige Kahlköpfe das Sonnenlicht, um reichlich wachsen zu können.
Perfekt ist leicht bedeckter Himmel, wenn ab und zu mal die Sonne durchlugt, ist das nicht weiter schlimm, jedoch sollten Wolken vorherrschend sein, um optimal suchen zu können.
Tödliche Doppelgänger?
Das Gute vorneweg: Es gibt keine tödlichen Pilze, die den Spitzkegeligen Kahlköpfen wirklich ähnlich sehen. Allerdings gibt es natürlich auch unter den kleinen braunen Pilzen durchaus giftige Vertreter, und ein unerfahrener Sammler könnte auf die Idee kommen, er nimmt einfach alles mit, was er nur finden kann und probiert später im Selbsttest daheim aus, welche die richtigen sind. Ein derartiges Verhalten kann im günstigsten Fall mit etwas Frust enden (weil nichts passiert), aber ebenfalls für ein paar Stunden mit dem Kopf über der Kloschüssel oder im ungünstigsten Fall sogar in einem Sarg. Vergeßt bitte niemals, daß Pilze einige der wirksamsten und tödlichsten Gifte in der Natur entwickelt haben! Nur weil Pilze klein sind, müssen sie nicht ungefährlich sein! Es gibt verbürgte Fälle von unglücklichen Sammlern, die nach dem Konsum der falschen kleinen Pilze gestorben sind! Weiß man aber, welche Merkmale der Spitzkegelige Kahlkopf besitzt und wo er wächst, dürfte es kaum zu Verwechslungen kommen. War man schon mehrmals sammeln und fündig, sind Verwechslungen sogar nahezu ausgeschlossen. Der einzige Pilz, mit dem selbst erfahrene Sammler unseren kleinen Freund verwechseln können, ist der Psilocybe strictipes, doch eine derartige Verwechslung ist nicht weiter schlimm, da auch dieser Pilz Psilocybin produziert. Im Gegensatz zum Psilocybe semilanceata besitzt der P. strictipes keinen Nippel auf der Hutspitze und hat dünneres Fleisch sowie einen zäheren und meist wenig gebogenen Stil. Die häufigste Verwechslung dürfte für den Anfänger aber die mit Düngerlingen sein, die nicht immer unbedingt auf Dung wachsen müssen, sondern auch sehr häufig auf gut gedüngten Stellen stehen und zumindest morphologisch einige Ähnlichkeiten mit Kahlköpfen besitzen, allerdings sind sie wesentlich dunkler.
Psilocybe strictipes, ein häufig anzutreffender Doppelgänger. Man beachte den fehlenden Nippel und den wenig gebogenen Stil.
Gedanken zur Arterhaltung:
Manche Weiden sind bekannt und werden jeden Herbst von Scharen Pilzesammlern heimgesucht. Damit die Pilze im nächsten Jahr wiederkommen, sollte man seinen inneren Schweinehund überwinden und ab und zu einen kleinen, noch im Wachstum befindlichen Pilz stehenlassen. Im Gesamtgewicht bringt der sowieso nicht viel, aber wenn er wachsen und seine Sporen abwerfen kann, garantiert das auch im nächsten Jahr wieder Funde. Desweiteren ist es wichtig, WIE man Pilze pflückt. Man rupft sie nicht einfach mit Stumpf und Stil aus dem Boden! Erweist diesen kleinen Wundern der Natur gebührenden Respekt, indem ihr das Gras, in dem er steht, zur Seite drückst, mit zwei Fingern dem Stil so weit in den Büschel folgt, wie ihr kommt, und dann den Stil mit den Fingernägeln abkneift. Auf diese Art und Weise wird das Mycel nicht geschädigt, und ihr könnt sicher sein, daß ihr auch später in der Saison an dieser Stelle wieder Pilze finden werdet.
Welche Pilze läßt man lieber stehen?
Wie oben schon erwähnt, läßt man sehr kleine und junge Exemplare stehen, damit sie ihre Sporen an dieser Stelle abwerfen können. Es gibt aber noch einige Gründe, gefundene Pilze lieber am Boden zu lassen. Einmal wäre da der hygienische Grund: Steht ein Pilz zu dicht an einem frischen Dunghaufen oder wird er auch noch von diesem berührt (das liebe Vieh nimmt bei seinen Geschäften halt keine Rücksicht auf arme Pilzsammler), sollte einen schon der gesunde Menschenverstand davon abhalten, diesen verunreinigten Pilz mitzunehmen. Desweiten besteht besonders bei Pilzen (wie bei allen dicht am Boden wachsenden Waldfrüchten) die Gefahr, sich mit den Finnen des gefährlichen Fuchsbandwurms zu infizieren, weshalb man generell keine Pilze sammelt, in deren Nähe irgendwelcher Kot herumliegt! Ein weiterer Grund, Pilze stehenzulassen, sind kleine Maden, die sich besonders an feuchten Tagen gerne im Inneren des Hutes die Plautze vollschlagen. Ob ein Pilz von Maden befallen ist, sieht man meist schon von oben, da der Hut nicht gleichmäßig gefärbt ist sonder einige dunklere Stellen aufweist. Im Zweifelsfall kann man diesen Pilz auch näher untersuchen, meist reicht ein Blick unter den Hut, um diese kleinen Maden zu sehen - in der Regel sind die Lamellen schon deutlich zerstört, und zwischen ihren Resten sieht man glitzernde kleine Würmchen herumkriechen. Nun, das ist zwar ärgerlich, aber so ist eben die Natur - diese Maden wollen schließlich auch von irgendwas leben... Außerdem läßt man natürlich Pilze stehen, an denen grüner Pelz zu sehen ist, denn hierbei handelt es sich um Schimmel, welcher je nach Art recht toxisch sein kann. Derart befallene Pilze sind aber recht selten. Exemplare, die sich besonders matschig anfühlen und deutlich dunkler sind als andere, befinden sich meist im Zustand des Faulens, sie läßt man freilich auch, wo sie sind. Und zuguterletzt: alle Pilze, bei denen man sich nicht absolut sicher ist, daß es sich um Spitzkegelige Kahlköpfe handelt, bleiben sowieso dort, wo sie wachsen. Erweist der Natur den Respekt, nicht einfach alles aus dem Boden zu reißen, um es anschließend doch wegzuwerfen - zur Bestimmung ist dies meist nicht nötig!
Verwirrend für den Anfänger: verschiedene Wachstumsstadien der Pilze
Kommt ein Kahlkopf frisch aus dem Boden, ist sein Hut noch geschlossen, und er ist nur von einem Fachmann eindeutig zu bestimmen, da diese kleinen braunen Pilze sich im ersten Wachstumsstadium sehr ähnlich sehen. In diesem Zustand sind sie aber meist ohnehin noch so klein und versteckt, daß wohl auch nur ein Fachmann sie findet. Im nächsten Stadium ist der Pilz noch frisch und feucht, fühlt sich leicht schmierig an. Das Problem: statt der bekannten hellgoldenen bis schmutzigweißen Färbung ist der Pilzhut hellbraun bis dunkelbraun. Hier tut es not, sich den Pilz genauer anzusehen. Auch in diesem Zustand haben die Pilze die für sie typischen Merkmale, nämlich die Kegelform des Hutes, den mehr oder weniger ausgebildeten Nippel auf der Spitze und die deutliche Riefung (die nun sogar besonders gut erkannt werden kann). In diesem Zustand wird man die meisten Pilze bei feuchtem Wetter antreffen.
Das nächste Stadium ist das von den meisten Bildern bekannte - der Pilz hat die typische hellgoldene bis weiße Färbung, die zum Rand hin dunkler wird und ist damit und mit seiner Form leicht von anderen Pilzen zu unterscheiden.
In späteren Stadien wirkt der Pilz leicht runzelig, und die Färbung ist etwas dunkler geworden, nun weniger weiß als mehr golden. findet man viele in diesem Zustand, dauert das anschließende Trocknen daheim nicht mehr sehr lange (dazu später mehr), aber er hat aufgrund der Umweltbedingungen und vor allem der ultravioletten Bestrahlung durch die Sonne an Wirkstoff eingebüßt. Trotzdem kann man diese Pilze natürlich mitnehmen, denn es ist noch genug Psilocybin übrig, außerdem hat er schon den Großteil seiner Sporen abgeworfen und damit seinen Lebenszweck erfüllt. Einige ältere Pilze haben einen ausgeprägt geöffneten Hut, was eine Verwechslung mit anderen Pilzen möglich macht - im Zweifelsfall lieber stehenlassen oder genauer studieren, ob die Merkmale stimmen. Diese weit geöffnete Form ist aber nicht so häufig wie die typische Kegelform.
Ganz frische Kahlköpfe - statt der bekannten Farbe sind sie eher bräunlich
Ein frisches und mehrere reife Exemplare nebeneinander; man beachte den Farbunterschied
Stehend ein älteresExemplar, leicht runzlig anzuschauen
Die Aufbewahrung:
Hat man seine kleinen Lieblinge nun in mehr oder minder großer Anzahl aufgespürt und sorgsam gepflückt, stellt sich die Frage, was man nun damit macht. Sehr gierige Leute werden sie vielleicht an Ort und Stelle verzehren, doch die Regel dürfte wohl sein, daß man sie - das hängt freilich auch von der Menge ab - konservieren und für spätere Exkursionen in das eigene Unterbewußte aufbewahren möchte. Es gibt einige Möglichkeiten, Pilze zu konservieren, für unseren Zweck ist wohl eine gute Trocknung die beste. Weitere Möglichkeiten wären das Einlegen in Alkohol oder Honig. Bei letzterer Methode schmecken die Pilze zwar besser, allerdings hängt ihre Haltbarkeit mit der des Honigs zusammen.
Wie aber trocknet man seinen Fund am besten? Das schöne an Spitzkegeligen Kahlköpfen ist hierbei ihre geringe Größe. Es reicht nämlich voll und ganz aus, die Pilze auf einer Zeitung o.ä. so auszulegen, daß sie sich möglichst nicht berühren (denn eventuell doch eingeschleppe Maden könnten so auf gesunde Pilze übergreifen) und fünf bis acht Tage liegenzulassen. Manchmal (das kommt auf den Zustand und die Größe an), reichen auch weniger Tage für eine komplette Trocknung. Anschließend sollte man sie dunkel und möglichst luftdicht aufbewahren, die einfachste Lösung wäre z.B. eine Keksdose mit Deckel oder ähnliches. Praktischer ist es, wenn man die getrockneten Pilze in der Dosis abwiegt, die man später zu konsumieren gedenkt, und diese Dosis dann in verschließbaren kleinen Plastiktütchen abpackt. Diese Tütchen kommen anschließend in die erwähnte Keksdose und werden in einem ungeheizten Raum aufbewahrt. Wenn man ganz sicher gehen will, daß nichts vom Wirkstoff verloren geht, kann man diese Tütchen auch einfrieren. Manch einer wird vielleicht denken, man kann doch auch die frischen Pilze einfrieren, doch davon würde ich abraten - nach dem Auftauen werden diese Pilze nämlich in der Regel zu einem ungenießbaren Matsch, den wohl kaum jemand verzehren möchte. Wie an anderer Stelle gesagt bestehen Pilze zu ca. 90% aus Wasser, und wird Wasser gefroren, dehnt es sich aus und sprengt die Zellwände der Pilze. Taut man diese wieder auf... nun, ich denke, das kann man sich vorstellen... Fein am Spitzkegeligen Kahlkopf ist die Tatsache, daß er nahezu kein instabiles Psilocin sondern nur das stabilere Psilocybin produziert, wodurch er auch nach zwei Jahren Aufbewahrung nur wenig Potenz verliert.
So könnte die Ausbeute aussehen...
Die Dosis:
Hier scheiden sich freilich die Geister. Es ist eine Frage, wie stark man seinen Trip haben möchte. Die Standarddosis Spitzkegeliger Kahlköpfe soll im Bereich von 1,6g liegen, d.h. die Wirkung einer solchen Dosis wird von den meisten Konsumenten noch als angenehm empfunden. Menschen, die noch wenig Erfahrung mit Psilocybin oder halluzinogenen Drogen allgemein haben, sollten vielleicht erst einmal mit einer Dosis von 1g beginnen, welche 10mg Psilocybin entspricht (1% der Trockenmasse). Und natürlich sollten sie derartige Experimente nicht allein unternehmen, da sonst Angstgefühle hochkommen könnten - hat man jemanden dabei, kann man sich mit ihm unterhalten und unangenehme Gefühle so eliminieren. Erfahrene Trippser tendieren eher zu einer Dosis von 2g, die wohl jedem das volle Spektrum der Wirkung eröffneen sollte. Dosen darüber sind wohl nur für Menschen interessant, die es wirklich wissen wollen und schon häufig Halluzinogene konsumiert haben. Dosen unter einem Gramm, etwa ein halbes Gramm oder weniger, sind dann angebracht, wenn man sehr unsicher ist (in einem solchen Falle stellt sich aber die Frage, ob man überhaupt ein Halluzinogen nehmen sollte) oder entgegen aller guten Ratschläge doch zunächst einmal alleine trippen will.
Der Geschmack:
Nun, um Spitzkegelige Kahlköpfe so richtig lecker zu finden, muß man sie schon sehr lieben. Sie schmecken ein wenig wie kleine Pappstücke, die man ein halbes Jahr lang im Garten an einer feuchten, moosigen Stelle vergraben hat und sicher nicht wie die üblichen Speisepilze. Ihr Geruch ist auch nicht wirklich ein Genuß, am ehesten kommt wohl der Vergleich mit ein Paar Synthetiksocken der Wahrheit am nächsten, die man drei Wochen lang ununterbrochen in Gummistiefeln getragen, unter das Bett geworfen und nach einigen Monaten wiedergefunden hat. Ihren Weg durch den Verdauungstrakt nehmen müssen sie trotzdem irgendwie, und damit sich dem Reiselustigen nicht der Magen umdreht, empfielt es sich, die Pilze zu zerkleinern und sie unter irgendetwas Süßes zu mischen. Eine schnelle, wenn auch nicht ekelfreie Möglichkeit besteht darin, sie nach dem Zerkleinern (z.B. in einer elektrischen Kaffeemühle) in Wasser zu geben und rasch zu trinken.
Lohnt es sich, auch andere Sorten zu suchen/sammeln?
Nun, das hängt in erster Linie von der Ausdauer des Sammlers ab. Es gibt in Deutschland noch zwei weitere Sorten, die ebenfalls recht potent sind - Psilocybe cyanescens und Psilocybe bohemica. Beide Sorten, vor allem letztere, sind aber (noch) relativ selten zu finden und eigentlich nur für Leute interessant, die viel Zeit und entsprechende Standorte in der Nähe haben (beide Sorten wachsen auf Holzresten, besonders gerne in Rhododendrongärten oder in gemulchten Parks, aber auch an Waldrändern oder im Wald selber). Sich ausschließlich auf diese Sorten einzuschießen, halte ich für ungünstig, weil Spitzkegelige Kahlköpfe einfach wesentlich häufiger anzutreffen sind und so eher ein Erfolgserlebnis bringen. Wenn aber jemand eine gute Stelle kennt und diese Pilze eindeutig bestimmen kann (gerade bei Holzbewohnern ist die Gefahr groß, sie mit Galerinas zu verwechseln, von denen einige Sorten tödlich giftig sind), spricht freilich nichts dagegen. Desweiteren gibt es in Deutschland eine Rißpilzart, die ebenfalls Psilocybin produziert, allerdings nicht sonderlich stark: Inocybe aeruginascens. Jedoch ist zu bedenken, daß Rißpilze sich allgemein sehr ähnlich sehen, und eine Verwechslung mit einer giftigen Sorte, von denen es in dieser Gattung reichlich gibt, ist somit sehr wahrscheinlich. Für einen erfahrenen Mykologen mag diese Sorte interessant sein, allen Laien würde ich aber davon abraten.
Dann gibt es immer wieder das Gerücht, es gäbe Düngerlinge, die ebenfalls psychoaktiv sind. Nun, die gibt es wirklich, allerdings wird man die bei uns nicht finden. Der bekannteste Vertreter dieser Gattung ist der Panaeolus (Copelandia) cyanescens, auch unter der Bezeichnugn 'Hawaiianer' als Zuchtpilz im Handel - wie diese Szene-Bezeichnung aber schon vermuten läßt, wächst dieser Pilz nicht in unseren Breitengraden in der freien Natur. Laßt Düngerlinge also stehen, wo sie sind, es lohnt sich nicht, sie zu sammeln.
Die Beschäftigung mit psychoaktiven Pilzen läßt aber für die Zukunft noch einiges Gutes erwarten - viele Menschen züchten Zauberpilze, und interessant sind da für uns die Outdoor-Arten wie etwa Psilocybe cyanescens, P. bohemica oder gar der äußerst potente P. azurescens - jede dieser Sorten wurde schon erfolgreich in Deutschland kultiviert, und es ist eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis die Natur ihren Lauf nimmt und auch diese Pilze wildwachsend gefunden werden. Denn Pilze pflanzen sich bekanntlich mit ihren Sporen fort, die der eifrige Züchter zu Tausenden an den Händen und in der Kleidung mit sich spazieren führt - diese Sporen fallen an anderen Stellen zu Boden, bilden neue Standorte und somit auch neue Sporen, die wiederum von Tieren oder auch nur vom Wind verbreitet werden --- nun, ich denke, die Möglichkeiten, die sich damit für unsere Pilzflora eröffnen, erfreut das Herz so manches Mykophilen...
So, und damit möchte ich meinen Sammelratgeber auch beenden. Weitere Infos ( z.B. Wirkungsweise und Gefahren) zu Kahlköpfen findet man zuhauf in entsprechenden Büchern oder im Internet. Ich werde diese Infos bei Gelegenheit (d.h. wenn mir noch was einfällt...) erweitern. Allen Lesern wünsche ich an dieser Stelle ein erfolgreiches Sammeln und das Gewinnen vieler neuer Eindrücke!



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